Film über Spuren einer steinalten Industrie ist neue Attraktion
im Vulkanpark Infozentrum Rauschermühle
Im Vulkanpark brechen neue „Stein-Zeiten“ an
Pünktlich zum Saisonstart 2006 kann das Vulkanpark Infozentrum Rauschermühle mit einem neuen Highlight aufwarten: Unter Federführung der Vulkanpark GmbH und wissenschaftlicher Leitung der Forschungsstelle Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz entstand im Auftrag des Landkreises Mayen-Koblenz ein faszinierender Film über die 7000-jährige Geschichte des Gesteinsabbaus in der Osteifel. Dieses neue Werk „Stein-Zeiten“ liefert den Zuschauern in 30 Minuten einen informativen und zugleich faszinierenden Einblick in die verschiedenen Zeitepochen und Entwicklungsstufen der steinigen Industriegeschichte.

Der Vulkanpark GmbH ist es mit der finanziellen Unterstützung des Landkreises Mayen-Koblenz und des Landes Rheinland-Pfalz gelungen, das Thema Gesteinsgeschichte in der professionellen Verfilmung „Stein-Zeiten“ durch die Fa. Gropperfilm populärwissenschaftlich aufzubereiten. Es entstand ein eindrucksvoller Dokumentarfilm mit Spielfilmcharakter. Sechs Kapitel erläutern über 7000 Jahre hinweg die Entdeckung, den Abbau, die Verarbeitung sowie Verwendung von Basalt, Tuff, Bims und Schiefer in der vulkanischen Osteifel. Ausgehend von der Entstehung der Landschaft und der gewaltigen Explosion des Laacher See-Vulkans vor 13.000 Jahren wird dem Besucher das Leben der Menschen mit und von den vulkanischen Steinen in der Jungsteinzeit, der Kelten- und der Römerzeit, im Mittelalter und in der Neuzeit eindrucksvoll vor Augen geführt.
Für die Produktionsleitung von „Stein-Zeiten“ konnte Utz Kastenholz, ein durch zahlreiche SWR-Dokumentationen bekannter Regisseur, gewonnen werden. Er verleiht dem Film eine faszinierende Kombination aus Information und Unterhaltung. Den hohen Anteil an der authentischen Darstellung des Arbeiterlebens längst vergangener Zeiten verdankt das Werk unter anderem der Römertruppe COHORS XXVI VCR mit Egbert Michel, Kuno Menchen und ihren Kollegen sowie der Darstellergruppe der Steinzeitmenschen um Hartmut Albrecht. Die Erstellung des Drehbuches sowie die wissenschaftliche Betreuung der Verfilmung erfolgte seitens der Forschungsstelle Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz/Mayen.

Der Film dokumentiert die Abbaugeschichte wertvoller Gesteinsvorkommen und verweist auf die Einzigartigkeit der Region Osteifel. Die Darstellung traditioneller Arbeitspraktiken erinnert an Zeiten schwerster körperlicher Betätigung und betont den enormen Gegensatz zwischen alter, manueller Abbautechnik und modernen maschinellen Methoden.
Stein-Zeiten, eine Zeitreise durch die Industriegeschichte
Der Film „Stein-Zeiten“ begleitet die Menschen der Osteifel in ihrer zeitlichen Entwicklung beginnend am Ende der letzten Eiszeit bis in die Gegenwart. Auftakt bildet eine allgemeinverständliche Erklärung über den Vulkanausbruch Laacher See, seine katastrophalen Auswirkungen sowie die Erläuterung über die Entstehung der bedeutvollen Rohstoffe Basalt, Tuff, Bims. So verheerend die Naturkatastrophe vor 13.000 Jahren gewesen sein mag, sie brachte Segen für die Menschen der Region, die lernten, den Stein für sich zu nutzen.

Die Entwicklung der steinigen Industriegeschichte beginnt vor 7000 Jahren in der Epoche der Jungsteinzeit als die ersten Menschen sesshaft werden und die Bewirtschaftung von Feldern das Jagen ersetzt. Erstmals wird Getreide angebaut. Damit einhergehend wird die Getreidereibe erfunden. In der Gegend um Mayen entstehen am Rande der Lavaströme die ersten Steinbrüche; mit Feuer und groben Schlagstöcken, später mit Hämmern aus Hartbasalt, rücken die Männer dem Gestein zu Leibe.
In der Keltenzeit lösen neue Eisenwerkzeuge eine kleine Revolution aus. Der Zweispitz erleichtert die Arbeit und trägt zur Schaffung eines neuen Produktes bei: Napoleonshüte entwickeln sich zum ersten Verskaufsschlager der Region und werden über den Transportweg Rhein in weit entfernte Gefilde verschifft. Kurze Zeit später entwickeln die Menschen erstmals die auf einer Achse rotierende Mühle.
Die Römerzeit beeinflusst das Leben der Menschen in der Osteifel maßgeblich. Sie profitieren von den technischen Errungenschaften und den Kenntnissen der Römer. Von nun an werden Häuser aus Stein gebaut und die Steinindustrie erlebt einen unverwechselbaren Boom. Tuffstein entwickelt sich während der Römerzeit zu dem Leichtbaustein der Antike und wird in großen Kammern untertage abgebaut. Das Römerbergwerk Meurin, der größte römische Tuffsteinbruch nördlich der Alpen, zeugt von der immensen Anstrengung der Gesteingewinnung: In spärlichem Licht und schlechter Luft lösen die Römer hier mit Hilfe der Keilspaltentechnik große Tuffblöcke und Platten. Spätestens jetzt bilden die Basaltbrüche bei Mayen die Grundlage eines wohlorganisierten Wirtschaftszweigs der Römer. Die Mühlsteinherstellung im Mayener Grubenfeld ist ein hervorragendes Beispiel des planvollen Ressourcenabbaus zu jener Zeit. Aber auch die örtlichen Schiefervorkommen werden von den Römern genutzt. Hiervon zeugen Funde alter Dacheindeckungen aus Schiefer, zu Beispiel bei der Höhenbefestigung auf dem Mayener Katzenberg.
Das römische Reich bricht im Mittelalter unter dem Ansturm der Völkerwanderung zusammen; die Menschen in der Osteifel bauen wieder mit Holz und Lehm, die Mühlsteinproduktion jedoch läuft weiter. Im Laufe der Zeit entwickelt sich die Kirche zu einem finanzstarken Auftraggeber, Tuffstein erlebt sein Comeback. Der Basaltabbau wird um 1400 untertage verlegt und es entstehen u.a. die Lavakeller in Mendig. Hier verrichten die Layer (Steinbrecher) harte körperliche Arbeit, sie erkranken an Rheuma, Schwindsucht oder verunglücken tödlich.

Der erneute Wechsel zum Tagebau erfolgt um 1850. Das neue Kaiserreich hat großen Bedarf an Bau- und Pflastersteinen, da das nationale Selbstbewusstsein in monumentalen Bauwerken und repräsentativer Stadtarchitektur zum Ausdruck gebracht wird. Die Fabrikation von Schwemmsteinen – produziert aus dem Bims des Laacher See Vulkans – verhilft mehr und mehr Menschen zu Arbeit.
Seit 1903 erhält Elektrizität Einzug ins Mayener Grubenfeld; die elektrischen Kräne steigern die Produktivität. Entgegen dieses Wandels verlagert sich der Schieferabbau nach untertage; in Mayen werden unterirdische Lagerstätten mit guter Schieferqualität entdeckt.
Nach zerstörerischen Luftangriffen während des zweiten Weltkrieges liegt die Gegend rund um Mayen in Schutt und Asche. Doch die Menschen haben Glück im Unglück: Sie besitzen die Baustoffe, die zu 60% im Wiederaufbau Deutschlands verwendet werden. Der Steinindustrie der Osteifel kommt somit ein großer Anteil am deutschen Wirtschaftswachstum zu.
Aufgrund des ständig hohen Bedarfs der wertvollen Rohstoffe sind einige Schlackenkegel bis heute ganz oder teilweise aus der Landschaft verschwunden. Zu dem sind neue Diskussionen um den Konflikt Gesteinsabbau – Landschaftsschutz entfacht, da sich viele ehemalige Abbaugebiete mittlerweile in Biotope verwandelt haben.
Seitdem die Maschinen- die Muskelkraft ersetzt, finden immer weniger Menschen in der Steinindustrie Beschäftigung. Und die Ressourcen sind begrenzt. Letzten Endes lässt sich sagen, dass die Steinindustrie die vulkanische Osteifel prägte und veränderte, gleichzeitig jedoch den Menschen eine bislang 7000-jährige Existenzgrundlage geschaffen hat.
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